Einfach Grenzwertig

am 5./ 6. September 2009 um 10:00 Uhr startet Einfach Grenzwertig

Morgens um 10:15 Uhr brachte der Bus die Wandertruppe zum Ausgangspunkt der Reise. Und direkt zu Beginn die erste Grenze. Das sollte noch öfter passieren. Zwanzig Minuten später, an der Autobahnraststätte und ehemaligem Grenzübergang Lichtenbusch, war es wieder so weit. Der Zoll hisste die Fähnchen und wenn kein Reisepass zur Hand war, musste bestochen werden. Zigaretten und Schokolade waren beliebte Gaben.

Dann ging’s aber erstmal ohne weitere Zollkontrollen weiter durch den Staatsforst und den Augustinerwald. Es regnete häufig, weshalb eine Teilnehmerin ihr Liederbuch aufschlug und uns zu einem Wanderlied einlud. Das peppte die Wanderlaune der Gruppe auf und wir kamen gut voran. Kurz darauf wurden die Zyklopensteine erreicht. Diese stammen aus einer Zeit, als die Grenze am Sandstrand lag. Oder sind sie dann doch aus des Teufels Sack gefallen? Die nächste Grenzstation wurde erreicht und nach erneuter Passkontrolle ging’s weiter zum Kunstverein für Kultur am Köpfchen, an der Eupener Strasse. Hier wurde dann doch eine kurze Regenpause eingelegt. Zeit für ein warmes Getränk und etwas Behaglichkeit.

Die Route führte weiter am Westwall entlang. Er ist ein Relikt der nationalsozialistischen Kriegspolitik, das in dieser Region an vielen Orten als Landschaftsmarke erhalten geblieben ist. Immer wieder führt der Weg an Grenzbuchen vorbei. Der Landgraben, auf dessen Wallkrone die Buchenhecken standen, stellte die Außengrenze des Aachener Reiches dar. Heute sind daraus mächtige Bäume geworden. Mit dem Wandel von der Hecke zum Baum entstand ihr charakteristisches Aussehen. Kurze Anekdoten aus der Region erzählt von unserer fachkundigen Begleiterin untermalte die oft märchenhafte Landschaft, z. B. warum der hiesige Farn Adlerfarn oder auch Schmugglerkraut genannt wird. Der Farn diente in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Schmugglern als Unterschlupf.

[Photo] Paßkontrolle
[Photo] Westwall

Eineinhalb Stunden später sollte die Gruppe endlich zur Mittagspause in der Schutzhütte Schmalzloch angelangt sein. Die Rast bot so einiges: Ein trockenes Plätzchen, das Knolle-Picknick, nette Gespräche unter Wandersleuten und – was nie fehlen sollte – einen guten selbst gemachten Knolle-Holunder-Schnaps. Sobald der Regen nachließ, ging es weiter.

[Photo] Pause am Schmalzloch

Entenpfuhl wurde rechts liegen gelassen, denn der Weg führte über die Lütticher Straße, am neuen Kletterwald vorbei, direkt in den Preuswald. Eine Teilnehmerin bemerkte, dass ihr der Wald sehr märchenhaft vorkommt. Und wirklich, das fahle Sonnenlicht fiel so seicht durch die Tannen, dass man sich das Erscheinen einer Fee gut vorstellen konnte.

Endlich wurde mal wieder eine Grenze überschritten. Der Zoll richtete die Fähnchen aus, damit jedem klar wurde, wo welches Land sich zurzeit befindet. An dieser Station war erneut einer der altertümlichen Adlersteine zu sehen. Sie begrenzten früher das Aachener Reich. Auf der Route waren insgesamt drei zu sehen.

Die Sonne blieb uns die nächsten Stunden erhalten. Wir erreichten die Grenze von Neutral-Moresnet. Damals beschlossen die Alliierten nach der Niederlage Napoleons, das Gebiet zwischen den Niederlanden und Preußen wegen der bedeutenden Galmei vorkommen (Messingherstellung) in Kelmis als neutrales Territorium zu etablieren, das einer gemeinsamen Verwaltung unterstand. Die Gruppe kam zu einer Anhöhe mit einem willkommenem Blick auf Moresnet Chapelle. „Es kommt mir so vor, als käme ich nach Hause.“ Eine Bemerkung einer Teilnehmerin. Es ging den Bittweg hinunter. Hier stehen in regelmäßigem Abstand Pilgerkreuze zum Schutz des Wanderers. Sie haben eine etwas kitschige Anmutung und man fühlt sich in eine vergangene Zeit zurückversetzt. Die Beschriftungen der Kreuze unterstützen dies. Angekommen in Moresnet Chapelle, verlassen die Knollereisenden das Gebiet von Neutral-Moresnet. „Zurück in der Zivilisation“ ist das erste Gefühl, das bei den Leuten aufkommt. Und irgendwie tut das gut. Alle freuen sich auf ein Hoergarden in einer der Gaststätten im Ort. Es bleibt Zeit, die Wanderschuhe zu lockern und die hinter uns liegende Tour nachzufühlen.

Die letzten paar Kilometer geht’s bergab. Die Sonne steht tief und es eröffnet sich ein sagenhafter Blick ins Tal und auf die Brücke über Moresnet. Der Mond geht auf. Alle sind gespannt auf den Bauernhof und in voller Vorfreude auf das anstehende Barbecue. Auf dem Hof angekommen, empfing uns die Bäuerin und alle richteten sich im Heuboden ein. Es war saugemütlich. Der Hunger nach solch einem langen Wandertag war groß.

[Photo] Pilgerkreuz

Und als der Tisch gedeckt war, konnte sich keiner mehr halten. Lecker! Der Abend klang mit einer Flasche Wein am Feuer und dem Vollmond am Himmel aus.

Zusammen mit den Fledermäusen schliefen alle zufrieden ein.

[Photo] Guten Morgen

Das Frühstück eröffnete die Bäuerin mit dem Satz: „Ich habe Ihnen vom Bäcker paar Pistoles mitgebracht.“ Der Kaffee mit frischer Kuhmilch und der selbst gebackene Pflaumenkuchen taten den Rest.

[Photo] Zollhund

Gut gestärkt ging unsere Reise weiter Richtung Gemmenich. Als das Dorf durchquert war, überschritten wir die Grenze nach Holland. Hier musste sich die Gruppe sogar von einem Zollhund kontrollieren lassen. Alle kamen ohne weitere Vorkommnisse durch.

[Photo] Kleng Wach

Jetzt ging’s durch Mais und Obstfelder nach Vaals. Eine kurze Kaffeepause am Vaalser Markt wurde eingelegt und danach ging’s schnell auf die Suche nach dem letzen Grenzposten. Der Kleng Wach. Dies war ein Grenzübergang für Fußgänger und beherbergt heute das kleinste und höchstgelegene Museum der Niederlande.

[Photo] Zollfritten

Zum Schluss blieb nur noch eine echte holländische Fritte Spezial zu verspeisen. Danach ging der Bus zurück nach Kornelimünster.

An diesem Wochenende wurde viel gelacht, genossen, gewandert, gesungen und gestaunt.

Also:
Tot ziens, Au revoir und Auf Wiedersehen, und bis zum nächsten mal.